Gute Software entsteht nicht durch Tests allein

Wann ist Software eigentlich gut genug?

Wenn alle Tests erfolgreich waren? Wenn keine kritischen Fehler mehr bekannt sind? Oder wenn die Menschen, die mit der Software arbeiten sollen, mit dem Ergebnis zufrieden sind?

Für mich gehören all diese Aspekte zusammen. Softwarequalität und Testmanagement lassen sich nicht auf einzelne Maßnahmen reduzieren. Entscheidend ist, wie Menschen während der Entwicklung zusammenarbeiten, Risiken erkennen und Entscheidungen treffen.

Qualität von Anfang an gemeinsam gestalten

Wir können Qualität nicht am Ende in ein Produkt hineintesten. Wir können sie allerdings von Anfang an gemeinsam gestalten.

Dafür müssen wir früh miteinander sprechen. Verstehen wir wirklich, welches Problem wir lösen wollen? Haben alle Beteiligten dieselben Erwartungen? Welche Risiken sollten wir bereits bei der Entwicklung berücksichtigen?

Testing spielt dabei eine wichtige Rolle. Es liefert Erkenntnisse, macht Probleme sichtbar und hilft uns, Unsicherheiten zu reduzieren.

Gute Softwarequalität entsteht durch das Zusammenspiel von Menschen, fachlichem Verständnis, geeigneten Methoden und bewussten Entscheidungen. Deshalb ist Qualität für mich keine Aufgabe, die wir am Ende an das Testteam übergeben. Sie ist eine gemeinsame Verantwortung, die uns durch das gesamte Projekt begleitet.

Testmanagement: Eine grüne Testampel ist noch keine Entscheidung

Alle geplanten Tests sind erfolgreich abgeschlossen. Die Ampel steht auf Grün. Können wir die Software jetzt guten Gewissens einsetzen?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Die Entwicklung schaut auf technische Risiken. Das Testing kennt die Ergebnisse der durchgeführten Prüfungen und die noch offenen Probleme. Der Fachbereich beurteilt, ob die Software die Geschäftsprozesse ausreichend unterstützt.

Jede dieser Perspektiven liefert wichtige Informationen. Keine zeigt für sich allein das vollständige Bild.

Welche Probleme sind noch offen? Welche Risiken haben wir erkannt? Was wurde möglicherweise gar nicht getestet? Und wie schätzen die Beteiligten die Situation ein?

Für mich bedeutet gutes Testmanagement, diese Informationen zusammenzubringen und verständlich aufzubereiten. Nicht, um möglichst viele Kennzahlen zu präsentieren, sondern damit die Beteiligten wissen, worüber sie entscheiden.

Qualität braucht auch passende Rahmenbedingungen

Dabei spielen auch die Arbeitsbedingungen eine Rolle. Wenn Menschen dauerhaft unter Zeitdruck stehen, ständig zwischen Aufgaben wechseln oder kaum Gelegenheit haben, Probleme offen anzusprechen, kann sich das auf die Qualität auswirken.

Die Verantwortung für solche Rahmenbedingungen liegt in erster Linie bei der Projektleitung und beim Management. Als Testmanager habe ich darauf nur begrenzten Einfluss. Ich kann allerdings die damit verbundenen Risiken sichtbar machen, das Gespräch suchen und Verbesserungen anstoßen.

Und ich kann darauf achten, dass ich den Menschen mit meiner eigenen Arbeit das Leben nicht noch schwerer mache.

Testmanagement soll Orientierung geben, Transparenz schaffen und Entscheidungen erleichtern. Auch meine eigenen Prozesse, Berichte und Dokumente müssen sich daran messen lassen.

Testing liefert wichtige Erkenntnisse. Die Entscheidung darüber, welche geschäftlichen Risiken akzeptiert werden, liegt bei den dafür Verantwortlichen.

Erst verstehen, dann das passende Werkzeug auswählen

Wenn mich jemand bittet, eine Teststrategie oder ein Testkonzept zu erstellen, möchte ich zuerst wissen, warum.

Welches Problem soll damit gelöst werden? Was funktioniert heute nicht wie gewünscht? Welche Rahmenbedingungen gibt es? Und wem soll das Ergebnis eigentlich helfen?

Wie ein guter Mechaniker

Ich vergleiche das gerne mit einem guten Mechaniker. Wenn ein Auto in die Werkstatt kommt, greift er nicht sofort zum Werkzeug. Er versucht zunächst herauszufinden, was eigentlich kaputt ist.

Erst wenn er das Problem verstanden hat, entscheidet er, welches Werkzeug er braucht.

Dafür muss man seinen Werkzeugkasten natürlich kennen. Das Ausbildungsschema des ISTQB bietet aus meiner Sicht eine gute fachliche Grundlage. Hinzu kommt die praktische Erfahrung, mit der man lernt, welche Methoden in welcher Situation tatsächlich helfen.

Auch KI gehört für mich inzwischen zu diesem Werkzeugkasten. Sie kann mich dabei unterstützen, Gedanken zu strukturieren, unterschiedliche Ansätze zu entwickeln und eine Teststrategie oder ein Testkonzept verständlich aufzubereiten.

Damit das funktioniert, muss ich allerdings das eigentliche Problem und den Kontext kennen. Ich muss die KI gezielt anleiten, die richtigen Fragen stellen und ihre Ergebnisse kritisch prüfen. Ein generisches Dokument hilft wenig, wenn es am Bedarf des Teams vorbeigeht.

Ob mit KI oder ohne: Erst das Problem verstehen, dann die passende Lösung entwickeln und die geeigneten Werkzeuge auswählen.

Eine gute Teststrategie muss nicht lang sein

Von oose habe ich einmal eine Postkarte mitgebracht. Darauf stand: „Eine gute Teststrategie passt auf eine Seite.“

Der Gedanke gefällt mir bis heute. Manchmal braucht es vielleicht zwei Seiten oder fünf PowerPoint-Folien.

Entscheidend ist nicht der Umfang, sondern der Nutzen. Eine Teststrategie soll die Fragen beantworten, die für das jeweilige Team und Projekt wichtig sind. Sie soll Orientierung geben, Entscheidungen unterstützen und so verständlich sein, dass die Beteiligten sie tatsächlich lesen und nutzen.

Eine Teststrategie ist schließlich kein Selbstzweck. Wenn die Beteiligten sie verstehen, gemeinsam tragen und im Projektalltag einsetzen, hat sie ihren Zweck erfüllt. Dafür braucht es nicht zwangsläufig ein umfangreiches Dokument.

Und wenn ich ganz ehrlich bin: Für eine Teststrategie oder ein Testkonzept, das anschließend ungelesen in irgendeiner Ablage verschwindet, ist mir meine Zeit zu schade.

Dazu stehe ich.

Wer gemeinsam eine Lösung entwickeln möchte, die zum Team, zum Projekt und zu den tatsächlichen Herausforderungen passt, kann gerne mit mir sprechen.

Denn Methoden müssen für Menschen und Projekte funktionieren – nicht Menschen und Projekte für die Methode.


Wenn du tiefer einsteigen möchtest

Einige der Themen, die mich bei der Softwarequalität beschäftigen, haben auf dieser Website ihren eigenen Platz.

Team Quality Radar

Wie Teams ihre Qualitätsarbeit gemeinsam reflektieren, Stärken erkennen und Verbesserungen entwickeln können.

Model-Based Testing

Seit 2013 fasziniert mich die Frage, wie wir Modelle nutzen können, um Testing besser mit der Entwicklung zu verzahnen. Model-Based Testing ist für mich weit mehr als die automatische Generierung von Testfällen.